RaRo SoLa 2026: Polen

RaRo SoLa 2026 Polen

Freitag, 31.07.

Am Abend des 31. Juli trafen wir uns beim Salzburg Hauptbahnhof und fuhren mit dem Zug nach Krakau. Aufgrund der verschiedenen Unzulänglichkeiten des Zugreisens sollte diese Fahrt, in deren Verlauf die Klimaanlage bei 28 Grad Außentemperatur aufgrund von insgesamt 4 Triebfahrzeugwechseln mehrmals für etwa eine Stunde ausfiel, insgesamt gut 13 Stunden unserer Zeit abligurieren.
Auch der kleine Zwischenfall, in dessen Verlauf der offensichtlich polnische Zugführer die starke Rauchentwicklung an einer der Bremsen bei der Nachschau während eines notgedrungen längeren Zwischenhalts mit dem Ausspruch „Kurwa! Kurwa!“ und etlichen, wohl gegen die Betreibergesellschaft gerichteten Beschimpfungen kommentierte, tat sein Übriges, um unser Vertrauen in das System Personenzug zu stärken.
Da der Zug bereits sehr ausgebucht war, endete ein Teil der Gruppe zusammengewürfelt in Sechserschlafkabinen und ist vor Hitze beinahe gestorben, wo man nicht wusste, wohin mit den Rucksäcken. Ein paar wenige mussten eine 1.-Klasse-Kabine mit breitem Bett, Klimaanlage inklusive WC und Dusche beziehen und haben diese dafür sehr genossen. Natürlich gab es für diese auch noch ein gratis Frühstück ans Bett.

Samstag, 01.08.

Endlich und mit mehr als einer Stunde Verspätung in Krakau angekommen erkundeten wir die Stadt zu Fuß und mit E-Scootern. Neben einer beachtlichen Burg hat Krakau auch einen beachtlichen Stadtkern und diverse Supermärkte, bei denen wir die ersten Einkäufe erledigen konnten.
Zabka ist *der* Nahversorger Polens mit über 12.000 Filialen (zum Vergleich: in Österreich gibt es ca. 1.100 BILLA- und ca. 1.500 SPAR-Filialen) – wir haben jeden Tag unser Essen und unsere Getränke dort eingekauft, und es gab zu unserer Überraschung ein äußerst großes Biersortiment der bekannten Biermarke Desperados.
Wir bezogen dann ein erstaunlich günstiges und modernes Hostel im Zentrum – für ca. 8 € pro Nase, danke Kathi!
Nachdem wir einen elektrischen Defekt, der von einer wohl aufgrund eines Vandalenaktes aus ihrer Verankerung gerissenen Deckenleuchte ausging, behoben hatten, gab es dort schließlich sogar wieder Licht in den Zimmern im zweiten Untergeschoss.
Die Nacht im Hostel zu verbringen, stellte sich als eine gute Entscheidung heraus, da es in der Nacht längere Zeit geregnet hat.
Einige von uns besuchten später die Restaurants, Bars und zahlreichen Discotheken der Stadt. Außerdem wurde dort die beste Lemon-Lemonade überhaupt genossen.

Sonntag, 02.08.

Am Sonntagmorgen verließen wir die Unterkunft und machten uns per Zug auf den Weg nach Gdingen. Nach beschwerlichen 8 Stunden im “Verkehrsmittel zweiter Klasse” (Zug) erreichten wir Gdingen und fanden uns einen Schlafplatz auf einem Hügel neben einer Art öffentlichem Grill- und Partyplatz. Nach dem Abendessen im Promenaden-Restaurant probierten einige von uns unter misstrauischer Beobachtung durch die lokale Polizeistreife den lokalen Skatepark aus. Nachts um etwa 1:00 bekamen einige besonders ausdauernde Lagerfeuernutzer dann Besuch von der lokalen Polizei, währenddessen wir still ausharrten und hofften, dass diese uns am Hügel in und unter den Bäumen nicht entdecken würde.
Nachdem der Polizeieinsatz abgeschlossen war und wir uns endlich entspannen konnten begann um kurz vor 2:00 morgens dann die lokale Müllabfuhr mit dem Entsorgen der offenbar zahlreichen Glas- und Restmüllcontainer am Grillgelände.

Montag, 03.08. & Dienstag, 04.08.

Am nächsten Mittag fuhren wir dann mit der Fähre hinüber zum wunderschönen, aber auch sehr touristischen Hel.
Wir legten unsere Rucksäcke in der Nähe der Strandbar ab und gestalteten einen Bade- und Strandtag.
Am Nachmittag wechselten wir zu einem pittoresken Schlafplatz mitten zwischen alten Schützengräben und FLAK-Stellungen im Wald.
Am Abend drehten einige noch ihre Runden durch Hel auf der Suche nach Essen und um sich die Stadt im nächtlichen Ambiente anzuschauen. Der Rückweg durch den dunklen Wald war Gespenstisch und furchteinflößend. Geteilte Angst ist bekanntlich halbe Angst!

Weil es uns hier so gut gefiel verbrachten wir noch einen zweiten Tag und eine zweite Nacht in Hel.
In der Früh startete die Gruppe „Frühaufsteher“ zu einer morgendlichen Wanderung durch Wald und Sand über die Halbinsel Hel. Das Ziel war ein alter Turm, welcher auf dem einzigen Gipfel der Halbinsel (20m ü.S.) im Wald stand. Auf leerem Magen ging es ungefähr zwei Stunden lang an alten Bunkern, Gefechtsstellungen und Artilleriebatterien durch den Wald und am Strand entlang.
Der Turm war bis zur Mitte durch Klettern und über eine doch recht schwindelige Leiter besteigbar, was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn der Turm nicht komplett rostig gewesen wäre – natürlich durfte auch hier eine Verewigung mit unserem Maxglaner-Sticker nicht fehlen! Nach dem doch recht anstrengenden Rückweg weckten wir noch die Langschläfer auf und machten uns auf in die Stadt zum Mittagessen und anschließend noch auf eine Nachspeise.
Den Nachmittag ließen wir entspannt am Lagerplatz ausklingen, während die anderen noch in der Stadt unterwegs waren und eine kleine Gruppe ans Ende der Halbinsel wanderte. Dort konnte man direkt am Meer entlangspazieren und den Sonnenuntergang genießen. Abends entzündeten wir ein Lagerfeuer am Strand, pflegten Konversationen, hatten Lachanfälle, grillten, badeten im Meer und beobachteten einige Sternschnuppen.

Mittwoch, 05.08.

Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus nach Danzig und erkundeten die Stadt, in der sich unter anderem Europas größter Freiluftmarkt befindet. Wir schlenderten dort herum und genossen das ein oder andere lokale Schmankerl. Die Nacht verbrachten wir in einem Hostel im Univiertel, und einige von uns besuchten bis zum frühen Morgen die studentischen Bars und Musiklokale.

Donnerstag, 06.08. & Freitag, 07.08.

Donnerstagmorgen, bevor wir losfuhren, gab es ein Buffet alla Pfadilager als Frühstück, und wir wurden Augenzeugen von Dingen, die man nicht unbedingt gesehen haben muss. Dann zwängten wir uns in den viel zu kleinen Bus 100 zum Bahnhof und nahmen den Zug nach Tourun, wo wir am Abend an einer öffentlichen Lagerfeuerstelle an der Weichsel unser Lager aufschlugen. Wir besuchten danach noch ein Irish-Pub in der Innenstadt und erkundeten die lokale Karaoke-Bar.

Weil es uns hier so gut gefallen hat, beschlossen wir, noch eine zweite Nacht in Torun am öffentlichen Lagerfeuerplatz zu verbringen. Uns dünkte, dass das wenige Holz für eine weitere Nacht am Lagerfeuer nicht reichen würde, also entschlossen wir uns, einen alten, toten Baum, der zudem ein Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellte, zu fällen und so Totholz für das Lagerfeuer zu ernten. Dabei stellten wir fest, dass die benzinbetriebene Motorsäge für diese Aufgabe durchaus ihre Daseinsberechtigung hat, denn der Vorgang dauerte zu viert mit einer viel zu kleinen Axt gut drei Stunden. Den so gefällten Baum mit einem handbetriebenen Flaschenzug zum Lagerfeuerplatz zu ziehen und zu zerlegen beschäftigte uns dann obwohl es nur eine Strecke von weniger als 50 m war, etliche weitere Stunden, wonach wir uns völlig erschöpft ein Bier genehmigten. Das Holz war somit nun mehr als genug für eine bzw. mehrere weitere Nächte am Lagerfeuer.
Während die eine Hälfte mit dem Holz beschäftigt war, waren die anderen im Hallenbad und haben die Becken und Rutschen unsicher gemacht.
Nachdem wir uns ein wenig erholt hatten, besuchte dann in den Nachtstunden eine kleine, besonders partywütige Delegation von uns den „Hex Club“ in der Innenstadt, der uns neben der Open-Air „Laba“-Partymeile an der Weichsel von mehreren polnischen Einheimischen bestens empfohlen worden war.

Samstag, 08.08.

Da die Zugverbindung nach Warschau ausgebucht war, entschieden wir uns aufgrund der Empfehlung einer freundlichen alten Dame stattdessen, nach Lodz zu fahren.
Hierzu standen wir viel zu früh auf, was von den Leischen der letzten Nacht nicht so gerne gesehen wurde. Der Weg zurück zum Bahnhof war entsprechend beschwerlich. Und dort, weil der ursprüngliche Zug ja ausgebucht war, hatten wir eine längere Bahnhofschillerei. Endlich in Lodz angekommen, besuchten wir den Aquapark. Dort hatten wir eine Heidengaudi.
Der Schlafplatz für diese Nacht war ein baufälliges Amphitheater, das sehr offen in einem Park gelegen war. Es wurde sich wieder aufgeteilt: die einen kehrten abends in einem der zahlreichen Restaurants im belebten Ortskern mit zahlreichen Bars und Diskotheken ein, wo gerade eine brasilianische Parade stattfand und viele Besucher waren, die andern haben am Schlafplatz gekocht und sind verhältnismäßig früh schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen erkundete einer von uns das stillgelegte und teilrückgebaute ehemalige Kohlekraftwerk EC-2 mit seinen Kühltürmen und Maschinenhallen (siehe hier & hier für Details & Fotos aus besseren Tagen), welches eine sozialistische Industriearchitektur zu bieten hatte. Mit 578 MW war dieses Kraftwerk etwa 1.000 mal stärker als unser Pool-Boiler.

Sonntag, 09.08.

Am nächsten Mittag führte uns die letzte Etappe nach Oswiecim (Auschwitz), wo wir die Nacht auf einem kleinen, aber feinen Campingplatz verbrachten. Da wir wieder den halben Tag am Bahnhof verbracht haben und die restliche Zeit in einem viel zu überfüllten Zug mit wieder mal nur Stehplätzen, sind wir dann nur noch schlafen gegangen. Wobei nicht ganz: Zwei noch motivierte haben am Abend bereits einen Spaziergang zum Konzentrationslager unternommen, bei dem ein erster Blick auf das Gelände geworfen werden konnte. Gleich beim Anblick des Torhauses haben wir die bedrückende Atmosphäre wahrgenommen.

Montag, 10.08.

Am letzten Lagertag besichtigten wir Oswiecim und das KZ Auschwitz-Birkenau – da unsere Reservierung nicht funktioniert hatte leider nur von außen.
Am Mittag kehrten wir im uns schon vom letzten Lager vor zehn Jahren bekannten Restaurant LaRossa ein und genossen ein letztes gemeinsames Essen, wobei wir auch auf unser Geburtstagskind Jakob angestoßen haben.
Dann nahmen wir den Zug zurück nach Kattowitz, wo wir unsere Verbindung zurück nach Salzburg erreichten. Selbstverständlich war just in unserem reservierten Wagon die Klimaanlage defekt, sodass wir die nächsten sechs Stunden bei lt. Anzeige etwa 34 Grad Grilltemperatur verbracht haben, was den meisten von uns auch das letzte bisschen Restenergie und Lebensmut geraubt hat.

– Güssi, Viktor, Kathi, Lisl, Elias, Anna, Alex S., Manu, Flo D., Caro