Neue Feuertassen & Entstehung eines Monstrums

Schon seit einiger Zeit wurde von verschiedenen Stellen beklagt, dass die altgedienten Feuertassen am Georgsgrund immer mehr Löcher bekommen und daher auch nicht mehr so wirklich viel aushalten. Um hier nachzubessern schmiedeten wir einen Plan und führten ihn mit tatkräftiger Unterstützung der RaRo und der Hands erfolgreich aus: Zuerst sollte ein möglichst großer ausgedienter Boiler her. Dieser würde dann oben, unten und der Länge nach aufgeschnitten werden, auf dass sich möglichst viele Tassen ausgingen. Und natürlich durfte das ganze auch noch quasi nichts kosten.



Nach einiger Zeit der Suche nach einer passenden Gelegenheit ging dann alles ganz schnell: ein Inserat aus Abtenau lautete auf “400L Boiler zu verschenken”. Sofort machte sich Alex mit dem Gruppenanhänger auf den Weg dorthin, um den Boiler noch rechtzeitig vor der RaRo – Heimstunde abzuholen. Bei der Abholung stellte sich dann heraus, dass der Boiler zwar wie erwartet aus angemessen dickem Stahl gefertigt war, dieser allerdings auch noch eine zusätzliche Schaumummantelung aufwies, die natürlich vor dem Einsatz als Feuertasse zuerst entfernt werden musste.

Einige Tage lag bzw. stand der Boiler am Georgsgrund herum, während Alex Zuhause mit seinem begrenzten Wissen aus der Schulzeit Testreihen durchführte, wie man den Polyurethanschaum wohl am besten entfernen könnte. Zur Diskussion standen die Optionen:

  1. Verbrennung
  2. Chemische Behandlung
  3. Mechanische Entfernung

Verbrennung
Eine Probe des Schaumes ließ sich im Abzug leicht entzünden und eine Verbrennung in einem entsprechend heißen Feuer war somit eine praktisch durchführbare Option. Eine weitere noch zu klärende Frage war dann, inwieweit die dabei entstehenden Gase und der Rauch für die Anwohner und den Wald ggf. schädlich bzw. sozialverträglich sein würden.

Chemische Behandlung
In umfangreichen Testreihen mit haushaltsüblichen Chemikalien ergab sich nur bei 2 von über 30 getesteten Stoffen überhaupt eine nennenswerte Veränderung der Eigenschaften des PU-Schaumes: 98 % Schwefelsäure und 99 % Aceton. Bei Kontakt mit der Schwefelsäure verfärbte sich der Schaum sofort tiefrot und schließlich braun und wurde in seiner Konsistenz “bröselig”. Das Aceton bewirkte nach einigen Minuten Einwirkzeit eine Erweichung des an sich recht festen Schaumes und erleichterte das Zerreißen dünner Stücke. Leider war wegen der geringen Wirkung dennoch keiner der beiden Stoffe geeignet, den Schaum einfach zu entfernen oder dabei behilflich zu sein.

In der wissenschaftlichen Literatur fand sich in der Tagungsschrift “Recycling and disposal methods for polyurethane foam wastes” von Wenqing Yang, Qingyin Dong et al. eine umfangreiche Zusammenfassung und Bewertung der Optionen, unter anderem wird dort auf die Gefahr der Entstehung hochgiftiger Produkte bei der Verbrennung erwähnt, wenn diese bei einer zu geringen Temperatur abläuft. Die in der Literatur erwähnten Temperaturen lagen dabei mit >=1000 °C weit jenseits dem, was sich mit einem normalen Lagerfeuer ohne extra Sauerstoffzufuhr oder Druckluft-Zwangsbeatmung erreichen lässt. Auch die benötigten Chemikalien für eine chemische Entfernung waren alles andere als harmlos zu bewerten. Daher mussten die Optionen 1 und 2 leider ausscheiden.

Mechanische Entfernung
Auf Max’ Vorschlag, es doch einfach mit dem Hochdruckreiniger zu versuchen hin ging Alex eines Freitages vor der RaRo-Heimstunde mit dem Gruppen-Hochdruckreiniger zu Werke. Wie sich herausstellen sollte funktionierte die Entfernung annehmbar gut, der Dreckfräse – Aufsatz arbeitete sich in wenigen Sekunden bis zum Stahlkern durch. Der unangenehme Seiteneffekt: Die feinen Schaumbrösel spritzten wirklich überall hin, bevorzugt jedoch in die Augen, Kleidung und Schuhe des Bedieners der Dreckfräse. Das Anlegen eines ABC-Schutzanzuges und ein Waldarbeiterhelm schafften hier rasch Abhilfe.

Vor diesem Erfolgserlebnis begann Alex mit tatkräftiger Unterstützung von MB, die Schaumschicht zuerst in Streifen zu schneiden, um diese dann mit Axt, Brecheisen und schließlich mit einem Zugmesser für Baumrinden grob abzustreifen. Sodann wurden – jetzt wieder mit der Dreckfräse – die letzten Rückstände entfernt. Als der Boiler dann endlich von allem Schaum befreit war, verblieben nur mehr 10 Minuten bis zum RaRo-Heimstundenbeginn. An dieser Stelle ist den Hands dafür zu danken, die hiernach an Alex Statt die “Sauerei” auf dem Asphalt beseitigt haben.

In den folgenden Wochen zerlegten Max und Alex den Boilerkörper dann unter Einsatz von gefühlten zwei Dutzend Trennscheiben mit der Flex in handlichere Stücke. Dabei wurden von Max aus Verschnittstücken und einigen gesponserten Teilen die Füße angeschweißt, und wir entwickelten “Einkaufstaschen” – Handgriffe. Schon von Anfang an wünschten wir uns eine möglichst große “Megatasse”, welche alles bisher da gewesene in den Schatten stellen sollte. Wir begannen daher, aus dem Längsstück eine solche anzufertigen.

Das “Monstrum” ist mit aktuellem Stand so gut wie fertiggestellt, es gibt Tragegriffe und Füße zum Bewegen des Gestells (eine Arbeit, die von mindestens 2 Personen erledigt werden sollte) und Querverstrebungen zur Versteifung; es fehlen einzig noch ein paar Seitenteile und evtl. Schlitze als Aufnahmen für Grillroste. Ein erster Test steht aus und wird voraussichtlich beim Waldadvent am kommenden Freitag stattfinden. Mit geschätzten 200L Volumen für Holz oder Kohle dürften wir unser Ziel erreicht haben. So viel passt in die Tassen vom OBI nicht, und Grillen kann man auf unserer Lösung garantiert auch viel besser ;-)

Wir danken Max, MB und allen anderen Beteiligten für ihren Einsatz!